Schiller Reloaded ~ Lyrik von Patrick von Hohenberg

Laß die Sprache dir sein, was der Körper der Liebenden: Er nur ist's, der die Wesen trennt und der die Wesen vereint ~ Friedrich von Schiller

Adventsmarkt

Ich fänds schön im alten Jahr
Dich noch mal von nah zu sehn,
Und mit Eifer würd ich wagen
Mein Geleit Dir anzutragen;
Hättst Du Lust mich zu begleiten,
Über Altermarkt zu schreiten
Hin zum festlich Weihnachtsmarkt
Wann und wie es Dir behagt?

Sollst nicht zögern oder zaudern
Nur mit mir ein wenig plaudern;
Sei nicht ängstlich, sei vergnügt
Und auch was Dich sonst betrübt
Möge nicht die Stimmung senken
Wenn uns freud’ge Töne lenken,
Wenn uns unbekannte Düfte
Tanzend folgen durch die Lüfte

Uns kandierte Äpfel glänzen
Leckren Glühwein sie kredenzen;
Wenn im Karussel die Lichter
Flackernd streifen die Gesichter,
Wir im Rausch die Nacht begehn
Und gen Sternenhimmel sehn.

Reise zur Freundin

Bild

Schon ziemlich lang ist’s her
Dass ich am Tische saß
Im Herzen wurd’s uns schwer
Ich reichte ihr das Glas

Bevor ich ihre Schwelle
Entschlossen übertrat
Sprach ich in sanftem Tone
Von meiner langen Fahrt

Gewiss sie wohnt recht weit
Schon über eine Stund
Ist’s besser mit Geleit
Ach! wär ich selbst ein Hund

Würd ich nicht zu ihr laufen
Würd lieber all mein Geld
G’schwind zusammenraufen
Die Kutsche, die gefällt

Mir freudgen Herzens kaufen
Nicht wie gemein Halunken
Die all ihr Gut versaufen
Mit Leichtsinn in Spelunken

Robust soll sie schon sein
Mit Türenschutz aus Eisen
Und innen guter Wein
So lässt sich’s gut verreisen

Wenn man in dieser Zeit
Weilt dort, weilt da, weilt hier
So ist man nie gefeit
Vor böser Mächten Gier

Wer dann mit Mut zu eigen
Durch finstre Wälder streift
Wenn schauerliches Treiben
Mit schrillen Lauten pfeifft

Um kahler Bäume Schatten
Im Niemandsland der Nacht
Der fahre hier vonstatten
Und gebe recht fein Acht.

An das holde Weib

Sag, was muss ich tun, um Dich zu sehen
Ohne mir dich nur zu denken
Kopf und Glieder zu verdrehen
Und den Hals mir zu verrenken.

Nicht von ferne aus dem Bänkchen
Unter wolkenhohen Decken
Will ich sehen Deine Händchen
Ohne mich nach Dir zu strecken.

Aug in Aug will ich Dir stehen
Deines Herzens Schlag zu spüren
Bis die Ängste sich verwehen
Unsere Atem sich berühren.

So wie einst als Abschied nahte
Als im Mantel tiefer Nacht
Ich versunknen Geistes ahnte
Welches Feuer hier entfacht.

Die Du von der tiefsten Sphäre
Stiegst hervor mit Engelszungen
Als in dieser öden Leere
Deine Stimme ward erklungen.

Sag kann eine Nacht den Kosmos spalten.
Aller Sehnsucht Freud begraben.
Wild nach Lust und Laune walten.
Rein‘ Gemüter furchtbar plagen.

Sag, was muss ich tun, um dich zu ehren
Deine Seele zu erreichen
Alte Liebe neu zu mehren
Deine Mauer zu erweichen.

Sag was kann ich Dir nicht sein
Was ein jeder, der am Leben
Dessen Herzens flücht‘ger Schein
Ist im Stande Dir zu geben .

Der mit Milde Dir begegnet
Voller Hoffnung, Zuversicht
Der mit wackrer Liebe ebnet
Dunkle Weg‘ mit seinem Licht.

Tausend Jungfraun zum Entzücken
Lieblich Reih in Reih vor mir
Könnten mich nicht so beglücken
Wie in Deinen Armen, jetzt und hier!

Die Vorlesung


Zu meiner tiefen Stirne steht
Der alte, monotone Geist.
Ich kenn dies Antlitz nur vom sehn,
Ich weiß nicht wie das Wesen heißt.
Ach! was ist bloß mit mir geschehn!
Zu oft muss ich sein träges Wort
In Bild und Ton schauernd ertragen;
Was nützt das Seufzen, nützt das Klagen
An diesem trübsinnigen Ort.
Noch dieses eine Male mehr
Will ich ihm meine Ehre schenken;
Lass meinen armen Kopf so schwer
Durch seine öden Phrasen lenken.
Die dunkle Stimme, die graue Statur
Was würd ich geben, jetzt auf dem Flur.
Die Tafel im Blicke, das Pult vor den Knien
Noch ist es nicht zu spät zu fliehn.
Welch graues Haar rings um mich rum
Und welch Tumult, Brimborium.
Hier soll ich lernen, soll ich denken
Und mir den Geist wahrlich verrenken?
Soll wie ein Schwamm aus tausend Augen
Den Quell des Wissens tief aufsaugen?
Oh lieber Gott erlöse mich
Bald von dem Schicksal mir gegeben
Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr
Das ist fürwahr ein schlimmes Leben!

Willkommen in Deutschland

Willkommen in Deutschland,
Dem Land der Träume
Hier können Sie aufstreben
Willkommen in Deutschland,
Dem Land von Hartz IV
Hier können Sie alles geben
Willkommen in Deutschland,
Dem Land der Paragraphen,
Hier können Sie was erleben

Wir brauchen Inder,
Manchmal auch Kinder,
Und viele Ingenieure.
Was wir nicht wollen
Sind Individualisten,
Nur BWL von der Stange
Wir sehen Armut stets als Bereicherung
Und das schon sehr sehr lange
Wir schätzen Teamplay,
Gehorsamkeit und Flexibilität
Das wolln’ wir nun erklären:
Jemanden ohne Meinung, der Überstunden liebt,
Den könn’ wir nicht entbehren.

Willkommen in Deutschland,
Dem Land der späten Rente
Hier können Sie alt werden
Willkommen in Deutschland,
Dem Land der großen Volksparteien
Hier braucht es keinerlei Beschwerden
Willkommen in Deutschland,
Dem Land der Leistungsträger, Geldvermehrer
Hier wird Ihr Beutel immer schwerer

 Wir haben Banken,
Auch viele große,
Sind international bekannt
Sei es mit Lehman, Island oder Hypotheken
Die nehmen alles in die Hand
Ebenso stolz sind wir auf unsre Politik
Von SPD bis CDU
Hier handelt jeder mit Geschick
Und kommt‘s auch mal,
Dass wir uns uneins sind
Was uns nicht umbringt, härtet ab
Die nächste Wahl, die kommt bestimmt
Wir loben Manager und Banken
Die täglich dafür sorgen
Den eignen Wohlstand zu vermehren und erhalten
So dass ein jeder, der dazu gehört
Sich nach Belieben kann entfalten

Drum sagen wir:
Was früher noch verteufelt ward
Ist heut schon eine Pflicht
Wer sein Fähnchen nicht im Winde schwenkt
Steht schnell im schlechten Licht
Was bringt das Fasten, was nützt der Geiz
Wir verteilen Geschenke, Wir kaufen Euch Brot
Wir kaufen uns Stimmen, Wir lindern die Not
Auch Begierde hat seinen Reiz

 Wir, das ist Deutschland, barmherzig und kühn
Beschließen Gesetze für alle, ob rot oder grün
Ob Nord oder Süd, ob West oder Ost
Wir öffnen alle vier Jahre stets stolz unsre Post
Wir tun dies für Deutschland
Nach bestem Gewissen
Vergießt keine Träne
Und seid nicht verbissen
Wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Willkommen in Deutschland,
Dem Land der edlen Küche
Hier herrscht die fürstlich Speis
Willkommen in Deutschland,
Dem Land, wo Neid und Missgunst Fremde sind
Hier lästern wir nur leis
Willkommen in Deutschland,
Dem Land der Freude und der Lust
Hier entführn wir Sie auf eine Reise

 Wir stehn für Fortschritt und Innovation
Das ist sogar global bekannt
Genügend Arbeit ist fast für alle da
Nur übertreiben darf man‘s nicht beim Lohn
Auch formulieren wir Gesetze, auf ganz neue Art
Die drei Gewalten, ein klar veraltetes Konstrukt
Führten wir mit Lobbyismus endlich in die Gegenwart
Beim Export schaut die Welt zu uns hinauf
Ob Giftmüll, Pharma- oder Rüstungsindustrie
Der Bundestag schwelgt stets in Euphorie
Sozial ist nur, was Arbeit schafft
Und auch mit wenig kann man sich begnügen
Wer das beherzigt, bringt es weit
Der Rest hat sich zu fügen
Wir lindern Not den ganzen Tag
Indem wir diskutiern
Was braucht es Hilfe, Nächstenlieb
Es reicht, zu konsumiern
Drum sollten wir nicht klagen
Wenn wir bei all dem wissen:
Im Rausch da lebt sich‘s besser
Probleme schlagen auf den Magen

Ach Deutschland, Du geeintes Feld
Hier steht noch jeder für den andren ein
Erhobnen Hauptes, das Herz am rechten Fleck
So stehn wir in der Schlange fürs Arbeitslosengeld
Champagner, Schnaps und Bier fließt literweis in Krügen
Was kümmern uns die Schwachen
Genießt das Leben doch in vollen Zügen
In einem wunderschönen Land wie unsrem
Kann auch ein Amoklauf dies zarte Bild nicht trüben

Der Axel schwingt die Axt
Und springt grad täglich zum Gefecht
Ob Mord, ob Totschlag, Menschenschreck
Was dieses Land bewegt,
Zitiert ein Blatt an jeder Eck
Wer nicht versteht, was Sünden taugen, auf diesem weiten Feld
Wo Schand und all der Dreck, der uns umgibt, mehr wert als jede Ehr
Dem sei ein Praktikum bei BILD geraten
Wir zeigen‘s Euch, so macht man Geld!

Willkommen in Deutschland,
Dem Land des unbeirrten Glaubens
Hier sind Statistiken noch echt
Willkommen in Deutschland,
Dem Land von Einigkeit und Freiheit
Hier ist man weltverbunden und das ganz folgerecht
Willkommen in Deutschland,
Dem Land der Dichter und der Denker
Hier lebte einst der große Berthold Brecht

Begierde

Nimm
Was Du brauchst
Wenn Du kannst
Wenn Du fühlst
Was ich fühle
Wenn Dein Herz sieht
Was ich sehe
Verführ mich
Mit Deinem Zauber
Wenn Du kannst
Solange Du willst
Wenn Du fühlst
Was ich fühle

Fürchte
Mein Verlangen
Weil Du bist
Wie Du bist
In der Nähe
Wie in der Ferne
Meine Hingabe
Weil Du denkst
Wie ich denke
Meine Inbrunst
Ein Feuersturm
Gefangen im ewigen Eis
Fürchte
Das Unbekannte
Wenn Du glaubst
Was ich glaube
Nimm
Was Dir bleibt
Wenn Du kannst
Wenn Du fühlst
Was ich fühle
Wenn Dein Herz sieht
Was ich sehe

Sei
Meine Muse
Meine Stärke
Meine Blüte
Wenn Du spürst
Was ich spüre
Schenk
Was Du kannst
Wenn Du weisst
Was ich brauche
Hör
Auf Dein Inneres
Dein Gefühl
Deine Sinne
Wenn Du suchst
Was ich suche
Wenn Du fühlst
Was ich fühle
Wenn Dein Herz sieht
Was ich sehe
Wenn Du bist
Wie Du bist
Wenn Du liebst
Wie ich liebe

Bedienungsanleitung: Abspielen. Lyrik lesen. Wirken lassen.

 

Das magische Tuch

Sag an,

Wo ist das Tuch, das dir zu eigen?
Das sanft umspielte dir die Haut,
Wie Nebelschleier sich verneigend
Dem Jüngling der darin Vergöttrung schaut.

Dem farbenprächtig wie Opale,
Und heiß wie Sonnenaufgangsglut,
Das Tuch von fern mit einem Male,
Um seines Herzens Feuer buhlt.

Beseelt von Götterkraft, es fliegt
Um deinen Hals im Tanzesschritte,
Zieht inbrünstig in seine Mitte,
Den Körper, der es an sich schmiegt

Sodann hinfort mit einem Schlage
Entgleist des Zirkels magischer Manie;
Im klaren Schein des Sterns der Waage,
Versinkt die stürmisch Elegie.

Weicht Nachte schon dem hellen Tag
Als wär die Harmonie verstummt;
Wo blieb der Geist, der dies verbarg,
Elegisch Klänge hörbar summt.

Der wundersame Augenblick

In einer Welt voll Lug und Trug
Voll Zaubertrank und Geisterspuk,
Wo dunkles Blut reift in der Nacht
Und aus den Pfaffen Diebe macht;
Da seh ich dich von ferne stehn
Und wollt ich juste grad schon gehn,
Ich wünscht ich könnte hier beschreiben
Mit großen Worten übertreiben,
Wie so viel Anmut mich verführt
Und mir der Sinne tausende berührt.

Ende und Anfang

Ende und Anfang

Zwei Herzen schlagen, mit sehnsuchsvollem Klang,
Ganz tief in meiner Brust,
In dem Moment voll Überschwang,
Erblüht des Neuen Lust;

Erstrahlt des Alten Schönheit, verklärt im weiten Blick,
Den Augenblick zu atmen,
Mit Tatendrang und Geschick;
Mit Kraft und starkem Willen,
Zu leben, was man liebt,
Das innre Feuer stets zu schützen auch im Stillen,
Bewahrt des Eifers Trieb.

Die Muse heitrer Stunden, für all der Welten Glück,
Und Tapferkeit für harte Zeiten, voll Mut im Angesicht,
Gen Himmel strebt der freie Geist – Oh blicke nicht zurück;
Geschenkt seis Dir, drum nimm es an,
Und was Du fürchtest, fürcht es nicht.

So reiße aus verschlungnen Netzen, aus wilden Armen los,
Die Zukunft, die Dir würdig ist, und sei sie noch so groß;
Streck aus die wackre Hand, voll lächelnder Entschlossenheit
Und grüß den Gott der Zuversicht, der diese Morgen weiht.

Wer spricht so weis, wem steht es an
Was steht auf seiner Fahne
Dass er von Höh’rem kundtun kann
Gewiss das eine sag ich Euch:
‘Der Abschied‘ ist mein Name

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